Alle Artikel mit dem Schlagwort ‘Stressreduktion

Artikel

Drei Situationen, in denen wir gerne gelassener wären – und wie Gelassenheit gelingen kann

Hinterlasse eine Antwort

1. Situation:

Die Lieblingssocken unserer Töchter verschwinden ja gerne mal frühmorgens, und zwar genau an jenen Tagen, an denen wir es besonders eilig haben. Und diese Tage an denen wir es besonders eilig haben, reihen sich oft an Tage, an denen unsere Töchter uns sowieso ständig auf der Nase herumgetanzt sind. Sodass wir der Meinung sind, sie sollten sich heute, genau hier und jetzt, unbedingt uns zuliebe vernünftig verhalten und das Haus mit anderen Socken als den Lieblingssocken verlassen. Falsch gedacht! Töchterlicher Zornanfall vorprogrammiert.

2. Situation:

Manchmal könnten wir uns selbst in den Hintern treten. Wir bleiben in einer Besprechung eine wichtige Antwort schuldig, der ganze Termin verläuft anders als erhofft. Gute Antworten und logische Argumente fallen uns erst hinterher ein. Grübelnd und voller Selbstzweifel nehmen wir den falschen Bus und kommen zu spät zum Abholen in den Kindergarten. Den Zahnarzttermin können wir nur noch absagen. Und obendrein fordert unser Sohn jetzt auch noch „endlich auch ein Handy“ oder eine Mutter in der Schule lässt eine doofe Bemerkung fallen und trifft einen wunden Punkt.

3. Situation:

Es ist 01.27, es ist 02.12, es ist 02.58. Einschlafen und wichtige Kräfte tanken? Fehlanzeige! Statt den wohl verdienten Schlaf zu genießen, dreht sich seit Stunden ein Teufelskreisgedankenkarrussel über unserem Bett. Die Gehaltserhöhung muss her wegen der Mieterhöhung, mehr Wochenstunden sind nicht drin wegen der Betreuungszeiten im Hort, die Steuererklärung hängt immer noch als To Do auf der Pinnwand und sollte unser Sohn nicht vielleicht doch mal zur Mathenachhilfe…!? Wie bitte sollen wir die nächsten Tage, Wochen, Monate nur schaffen!?

Drei Wege zu mehr Gelassenheit

Alles aufnehmen – und gleich wieder abgeben

In Momenten, in denen uns etwas reizt, können wir diesen Schritten folgen:

1. Ich sehe etwas und nehme es bewusst wahr
2. Ich gebe es wieder ab – denn ich weiß, es hat nichts mit mir zu tun
3. Ich reagiere erst dann – aus meiner Erfahrung heraus

Jahrelang habe ich versucht, bei aufsteigendem Ärger erst einmal tief durchzuatmen. Ist mir aber nie so richtig gelungen, weil die Einatmung an dem nach oben drängendem Ärgerkloß nicht so richtig vorbeikam. Was mit der Atmung in meinem Bauch ankam, war dann eher ein mit Luft nur leicht verdünnter Ärger. Kein Gefühl der Entspannung.

Ein Bild von Peter Lauster (aus „Wege zur Gelassenheit“) hilft mir da weiter: Unser Inneres (unsere Seele) sollte völlig transparent sein. Alles, was von außen als Eindruck auf sie eindringt, wird einfach wieder abgegeben, wir sind lediglich eine Durchgangsstation. Sehen wir eine kleine weiße Sommerwolke, dann versuchen wir nicht, dieses Bild festzuhalten und zu bewerten (Warum ist sie da? Sie sollte größer sein!). Sehen wir aber unsere Tochter, wie sie wütend ihre Socken auf den Boden wirft, dann bewerten wir das sehr wohl und starten einen Streit.
Obwohl wir wissen, dass wir unsere Kinder genau in jenen Augenblicken nichts beibringen können, reagieren wir immer wieder noch wütender als die Kinder selbst.

„Gelassenheit heißt, die Dinge geschehen zu lassen, ohne Gewalt auszuüben und dadurch noch alles schlimmer zu machen“,

schreibt Lauster.

Loslassen üben: Erleben statt Planen

Gelassenheit bedeutet nicht, als Eltern cool über den Dingen zu schweben und dazu „ist mir egal“ zu singen. Aber zu wissen, dass es letztendlich keine Sicherheit geben kann. Ein Eigenheim kann abbrennen, ein gut abgesicherter Job von heute auf morgen gekündigt werden – etwa wenn wir von Kollegen aufs Abstellgleis gemobbt werden.

Wenn wir verinnerlichen, dass wir nichts festhalten können – auch nicht unser Wissen, unseren Partner, unsere Kinder, dann erfahren wir ein Gefühl der Freiheit. Und können das, was auf uns zukommt, bewusst erleben und genießen.

Wer nichts zum Besitz macht, hat auch nichts, das er verteidigen müsste, er kann offen, wach, neugierig und freundlich in die Welt schauen.

(Peter Lauster, Wege zur Gelassenheit)

Und dieses Loslassen lässt sich in vielen Momenten üben:

– körperlich zum Beispiel mit einer Beckenbodengymnastik oder (wie meine Hebamme meinte) auch beim Wasserlassen
– wenn wir unsere Kinder beobachten, ohne in ihr Tun einzugreifen
– wenn eine Sorge im Kopf auftaucht und wir sie vertrauensvoll wieder abgeben, ans Universum/ an einen Gott/ an den Lauf des Lebens
– Wenn wir manchmal darauf verzichten, Tage minutiös durchzuplanen und uns stattdessen mehr auf Erlebnisse einlassen

Gelassenheit ist mit Sicherheit nicht immer die einzig mögliche Lösung – denn manchmal müssen wir uns eben engagieren, aufregen, auch mal laut werden. Aber viele Situationen lassen sich besser bestehen, wenn wir Eindrücke aufnehmen, direkt wieder abgeben und das, was wir nicht ändern können, loslassen.

Der Lesetipp: Peter Lauster – Wege zur Gelassenheit

Jetzt für den Newsletter anmelden: [newsletter2go]